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©Seyfettin Saribas

August 2003

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Dolmabahce

Diese Gegend, die bis zum 17. Jh. nur eine einsame Bucht des Bosporus war, ist sehr wahrscheinlich der Ankerplatz des sagenhaften Schiffes der Argonauten, die bei ihrer Suche nach dem Goldenen Vlies hier ankerten. Sultan Mehmet der Eroberer ließ während der Belagerung Istanbuls seine Schiffe hier an Land ziehen.

Auch die osmanische Flotte hatte hier ihren Ankerplatz, und die erwähnte Bucht, die das Aussehen eines natürlichen Hafens hatte, wurde auf diese Weise zu einem Ort, an dem mit der Seefahrt verbundene Zeremonien und Feierlichkeiten abgehalten wurden. Aber seit dem 17. Jh. füllte sich die Bucht von Zeit zu Zeit mit Sand an; auf diese Weise für die Seefahrt nicht mehr nutzbar, wurde der Ort unter dem Namen Dolmabahce in einen Lustgarten für die Sultane umgewandelt.

Dolmabahce, das im Laufe der Zeit von mehreren Sultanen mit Pavillons und zusätzlichen Schlösschen ausgestattet wurde, wuchs so zu einem stattlichen Schlosskomplex heran, der auch unter dem Namen Besiktas-Uferpalast bekannt war.

Dieser Besiktas-Uferpalast wurde in der Zeit Abdülmecids II. (1839-1861) mit der Begründung, dass er aus Holz und damit untauglich für die Benutzung sei, im Jahre 1843 abgerissen. Am gleichen Ort wurden die Fundamente für den bis heute erhaltenen Dolmabahce-Palast gelegt.

Das im Jahre 1856 fertiggestellte Anwesen misst zusammen mit seinen Umfassungsmauern mehr als 110.000 m2. An das Hauptgebäude sind 16 kleine Nebengebäude angegliedert, die verschiedenen Zwecken dienten, darunter u.a. Pferdeställe, Mühlen, Apotheken, Küchen, Speiseräume, Gießerei, Konditorei, Glasbläserwerkstatt. Zur Zeit Sultan Abdülhamits II. (1876-1909) wurden diesen Bauten ein Uhrturm, Räumlichkeiten für den Kronprinzen und im hinteren Garten verschiedene Pavillons hinzugefügt.

Die Hauptgebäude des Palastes, deren Errichtung von den in ihrer Zeit berühmten osmanischen Architekten Karabet und Nikogos Balyan ausgeführt wurde, setzen sich aus den Empfangsräumen für Männer (Mabeyn-i Hümâyûn), dem Zeremoniensaal und den Räumen für Frauen (Harem-i Hümâyûn) zusammen. Die Empfangsräume für Männer waren den Arbeiten der Staatsverwaltung vorbehalten, und die Räume der Frauen dienten dem Privatleben des Sultans und seiner Familie. Der Zeremoniensaal diente der Abhaltung von wichtigen Staatsfeiern und Gratulations- sowie Empfangszeremonien, bei denen der Sultan mit den Würdenträgern des Staates zusammentraf.

Der gesamte Bau ist dreistöckig, einschließlich des Kellers. Dieser Palast, der in seiner Form, seinen Einzelheiten und in seiner Dekoration unübersehbare westliche Einflüsse aufweist, ist ein Ergebnis der Interpretationen dieser westlichen Einflüsse durch osmanische Baumeister. Auf der anderen Seite weisen die Einrichtung des Baus und auch die Anordnung der einzelnen Zimmer untereinander den

Grundriss eines traditionellen türkischen Hauses auf, der hier nur in sehr großem Maßstabe umgesetzt wurde. Die Außenmauern sind aus Stein und die Innenmauern aus Brennziegeln gefertigt; die gesamte Inneneinrichtung ist dagegen aus Holz. Dem für moderne Technologie offenen Palast wurden in den Jahren 1910-1912 Leitungen für elektrischen Strom und ein Zentralheizungssystem hinzugefügt. Eine Wohnfläche von 45.000 m2 verteilt sich auf 285 Zimmer, 46 Säle, 6 Bäder und 68 Waschräume. Auf dem meisterhaft und sehr sorgfältig gearbeiteten Parkett erstrecken sich 4454 m2 Teppich, die zuerst in der Königlichen Teppichweberei, später in den Fabriken von Hereke hergestellt wurden. Die den Männern vorbehaltenen Räume, in denen der Sultan seine Staatsangelegenheiten abwickelte, stellen die wichtigsten Räumlichkeiten des Dolmabahce-Palastes vor. Der Empfangssaal im Eingang, die diesen mit dem oberen Stockwerk verbindende Kristalltreppe, der Botschaftersaal, in dem die ausländischen Botschafter empfangen und bewirtet wurden, und das Rote Zimmer, in dem der Sultan empfing, waren prachtvoll dekoriert und ausgestattet und brachten auf diese Weise die historisch gewachsene Pracht des Reiches zur Geltung. Der im oberen Stockwerk gelegene Saal stellte eine Art Übergangszimmer dar, das es dem Sultan erlaubte, ungestört Zugang zu seinen Privatgemächern zu haben. Diese Privatgemächer umfassten ein prächtig ausgestattetes Bad, dessen Marmor eigens für den Sultan aus Ägypten herbeigeschafft wurde, ein Arbeitszimmer und weitere Empfangsräume.

Der zwischen der Männer- und Frauenabteilung gelegene Empfangssaal stellt den höchstgelegenen und prächtigsten Teil des Dolmabahce-Palastes vor. Mit seiner mehr als 2000 m2 umfassenden Fläche, seinen 56 Säulen, seiner 36 m hohen Kuppel und dem von dieser Kuppel herabhängenden englischen Kronleuchter, dessen Gewicht ca. 4.5 t beträgt, hebt sich dieser Saal deutlich von den anderen Räumen des Palastes ab. Der Saal wird mit warmer Luft beheizt, die aus dem Keller durch die Fundamente der Säulen nach oben geleitet wird. Auf diese Weise konnten in der kalten Jahreszeit

stattfindende Zeremonien in angenehmer Umgebung abgehalten werden. An den Tagen, an denen Empfänge aus Anlass eines moslemischen Festes stattfanden, wurde der goldene Thron aus dem Topkapi-Palast hier aufgestellt; von diesem Thron aus nahm der Sultan die Glückwünsche der Oberen des Reiches entgegen. Auf den Galerien nahmen Mitarbeiter von ausländischen Botschaften, die Mitglieder des Palast-Orchesters und weitere Gäste Platz. Der Dolmabahce-Palast wurde unter westlichem Einfluss in Nachahmung europäischer Schlösser erbaut. Trotzdem ist er hinsichtlich seiner Funktionalität und der Ausstattung seiner Innenräume türkischen Vorbildern verhaftet, wenn auch die Trennung in Männer- und Frauenabteilungen nicht mehr so streng wie früher erfolgte. Aber die Frauenabteilung ist hier nicht wie im Topkapi-Palast ein eigenständiges Gebäude oder eine getrennt errichtete Abfolge von Räumen, sondern es handelt sich um Privatgemächer, die unter dem gleichen Dach innerhalb desselben Baus zur Nutzung bereitgestellt wurden.

Die Frauenabteilung, die etwa 2/3 des Dolmabahce-Palastes ausmacht, ist mit Hilfe von Korridoren zugänglich, die durch Eisen- und Holztüren zu verschließen sind. Diese Vorrichtungen betonen die traditionelle Abtrennung der Frauen- von der Männerabteilung. Die Säle im Harem, die auf den Bosporus hinausschauen, schließen sich an Räume an, die von den Sultanen, ihren Frauen und den weiblichen Bediensteten genutzt wurden. Außerdem sind hier noch die Schlafräume der Prinzen und Sultane, Arbeits- und Aufenthaltsräume untergebracht. Die Privatgemächer der Sultansmutter, der Blaue und der Rosafarbene Saal, die von Abdülmecid, Abdülaziz und Resat genutzten Räume, die Abteilung für weibliche Bedienstete sowie deren Aufseherinnen, das Arbeits- und Schlafzimmer Atatürks, unzählige Wert- und Kunstgegenstände wie Teppiche, Bilder, Vasen, Kronleuchter und Gemälde stellen die interessantesten und beeindruckendsten Gegenstände dar, die im Harem des Dolmabahce-Palastes zu bewundern sind.

Alle Einheiten des Dolmabahce-Palastes sind restauriert und für Besucher zugänglich gemacht worden. In zwei Ausstellungssälen sind die Wertgegenstände des Palastes zu bewundern, in anderen Räumen sind Beispiele aus der Yildiz-Porzellansammlung vorgestellt, und aus der Gemäldesammlung der Staatlichen Schlösser entlehnte Bilder bieten sich in der "Kunstgalerie" meistens für längere Zeit dem Auge des Besuchers dar. Im unterhalb dieser Galerie gelegenen Stockwerk ist eine Dauerausstellung zu besichtigen, die verschiedene Objekte und bauliche Ausschmückungen des Palastes sowie Vogelminiaturen zeigt. Auf diesem Stockwerk finden sich die in der Männerabteilung gelegene Bibliothek des Abdülmecit, die zusammen mit dem erwähnten historischen Korridor meistens für Ausstellungszwecke genutzt wird.

In der gleich im Eingang des Palastes gelegenen früheren Mobiliarwerkstatt ist heute das Kultur- und Informationszentrum untergebracht, das Informationen über die in den Staatlichen Schlössern ablaufenden wissenschaftlichen Arbeiten vermittelt. Ebenso ist eine Bibliothek eingerichtet worden, die vor allem im 19 Jh. verfasste Werke enthält und zur wissenschaftlichen Nutzung bereitsteht.

Den Besuchern zugängliche Cafes und Geschäfte wurden im Uhrenturm, in der Mobiliarwerkstatt, in den Speiseräumen, im Harem sowie Privatgemächern des Kronprinzen eingerichtet. Hier werden neben vom Kultur- und Informationszentrum herausgegebenen Büchern und Postkarten, die Informationen über das genannte Bauwerk vermitteln, auch Reproduktionen aus der Gemäldesammlung der Staatlichen Schlösser zum Verkauf angeboten. Der Empfangssaal und die Gärten dagegen werden für Staatsempfänge genutzt. Mit Hilfe dieser neuen Anordnungen ist der Palast in der Lage, sich als Museum zu präsentieren, in dem Kunst und Kultur ungehinderte Ausprägung erfahren können.

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